Manche Wanderungen sind mehr als nur ein Weg von A nach B – sie sind ein Erlebnis für alle Sinne. Diese Tagestour rund um Vellau verbindet spektakuläre Tiefblicke ins Etschtal und Meran, stille Waldpassagen und aussichtsreiche Höhenwege zu einem unvergesslichen Bergerlebnis. Zwischen gemütlichen Einkehrmöglichkeiten und dem alpinen Nervenkitzel des Hans-Frieden-Weges wartet eine Route, die Trittsicherheit fordert – dafür aber mit einzigartigen Panoramen über Meran und Algund belohnt.
Vom Birkenhof mit dem Sesselift nach Vellau weiter zur Leiteralm und über den Hans-Frieden-Weg nach Hochmuth – eine aussichtsreiche Tagestour für Schwindelfreie.
Start am Birkenhof – wenn der Tag noch ganz uns gehört. Der Morgen am Birkenhof beginnt in wohltuender Stille. Auf dem Balkon unserer Ferienwohnung genießen wir ein köstliches Frühstück mit frischen Hofprodukten – begleitet vom weiten Blick in die Südtiroler Bergwelt und hinüber zu unserem heutigen Wanderziel. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die umliegenden Obstwiesen in warmes, goldenes Licht, ein feiner Duft von Wiese und Wald liegt in der klaren Morgenluft. Ein Moment voller Ruhe und Vorfreude – genau der richtige Augenblick, um die Wanderschuhe zu schnüren und aufzubrechen.
Durch den Dorfteil Forst führt unser Weg, vorbei am stolzen Schloss Forst und gepflegten Obstgärten. Über die kleine Holzbrücke wechseln wir die Flussseite – ein erster idealer Platz für ein Foto: das sanfte Rauschen des Wassers, darüber die Bergkulisse, und wir mittendrin. Gemütlich erreichen wir die Talstation des Sessellifts Algund/Vellau. Wer möchte, kann alternativ über die Fahrstraße von Oberplars oder bequem mit der Buslinie 235 nach Vellau anreisen.
Schwebend durch Weinberge und Wälder. Ein besonderes Naturerlebnis ist die Fahrt mit dem nostalgischen 1er-Sessellift von Algund/Mitterplars – kurz oberhalb der Sennerei Algund – hinauf nach Vellau. Langsam schwebt man über Weinberge und durch lichte Wälder. Der Blick öffnet sich immer weiter ins Tal – Meran, Algund, Dorf Tirol, Schenna der gesamte Talkessel liegen uns zu Füßen. Hier darf man einfach genießen. Und fotografieren. Die Perspektive von oben ist einzigartig.
Erste Etappe – hinauf zur Leiteralm
An der Bergstation in Vellau orientieren wir uns Richtung Osten bis zur Bushaltestelle. Links bei der Kapelle beginnt der Abkürzungsweg bergauf. Rechts führt die Asphaltstraße durch Wiesen zur Kirche und zum Gasthaus Oberlechner – ein wunderbarer Ort für eine erste kleine Rast oder einen Kaffee mit Aussicht. Wir haben das weite Etschtal vor uns, der Blick reicht von Dorf Tirol, Hafling und Meran 200 über Marling mit dem Vigiljoch nach Gargazon, Lana und Terlan und bei gutem Wetter bis nach Bozen und die Dolomiten.
Weiter geht es: Beim Gasthof Oberlechner wechseln wir auf den Weg Nr. 25. In Kehren führt er stetig bergauf, zunächst entlang einer Straße, die wir bald wieder verlassen. Rechts zweigt ein Steig ab, der uns hinauf zum Hauserhof mit Hofkäserei bringt. Der Anstieg hat es in sich. Zuerst steil über Wiesen, dann etwas flacher durch den schattigen Wald. Die Schritte werden ruhiger, der Atem gleichmäßiger – wir haben uns die kommenden Ausblicke verdient. Nach rund 2 Stunden erreichen wir die Bergstation des Korbliftes und wenige Minuten später die Leiteralm auf 1.550 m. Wer sich diesen anspruchsvollen Aufstieg ersparen möchte, nimmt den nostalgischen Korblift – er bringt Wanderer von Vellau direkt zur Leiteralm am Meraner Höhenweg.
Einkehr auf der Leiteralm – Genuss im Naturpark Texelgruppe. Die Leiteralm liegt traumhaft im Naturpark Texelgruppe direkt am Meraner Höhenweg. Eine gemütliche Hütte, Sonnenterrasse, der Duft von Südtiroler Spezialitäten – hier fällt die Pause leicht. Kaiserschmarrn, Speckbrettl oder ein erfrischendes Getränk – mit Blick über Meran das Etschtal bis hin zu den Dolomiten und links ins Vinschgau schmeckt alles doppelt so gut. Ein perfekter Platz für Erinnerungsfotos und eine wohlverdiente Ruhepause.
Jetzt geht’s weiter – auf dem Meraner Höhenweg
Gestärkt nehmen wir ein Stück des Meraner Höhenweges Richtung Osten. Das erste Teilstück führt steil durch den Wald hinab, dann geht es auf dem oberen Felsenweg, auch Hans-Frieden-Weg genannt, weiter Richtung Gasthof Hochmuth. Nach dem letzten Gatter erreichen wir nach einer knappen Stunde den Gasthof Steinegg – eine weitere Einkehrmöglichkeit mit herrlicher Aussicht. Die neue Aussichtsplattform auf der Hochmuth lässt landschaftlich weit blicken und bietet Gelegenheit für einen weiteren Fotostopp. Über die Wiese führt jetzt der Steig hinunter zur Bergstation Hochmuth. Die Seilbahn bringt einen in 5 Minuten nach Dorf Tirol über Meran. Doch statt bequem zurückzufahren, entscheiden wir uns für den Abstieg zu Fuß Richtung Algund. Hier beginnt der Vellauer Felsenweg – ein beeindruckender, in die Felsen gebauter Steig, der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraussetzt und mit grandiosen Ausblicken ins Tal belohnt.
Der Vellauer Felsenweg – Adrenalin mit Aussicht
Ein Schild warnt: „Nur für Schwindelfreie“. Wir lassen uns nicht abschrecken. Der Felsenweg klammert sich an die steilen Hänge, ordentlich angelegt, mit geringem Höhenunterschied – aber Konzentration ist gefragt. Der Blick ins Tal ist atemberaubend: das Etschtal, Meran, Algund und die Südtiroler Bergwelt – eine beeindruckende Kulisse.
Wichtig: Bei Schnee, Eis, großer Hitze oder nach starken Regenfällen sollte man diesen Abschnitt meiden. Steinschlag kann eine Gefahr darstellen. Der erste Abschnitt führt direkt entlang der Felsenwand, teilweise mit Ketten gesichert. Die Perspektive ist spektakulär – ein idealer Fotospot mit Tiefenwirkung. Dieser Teil wirkt ursprünglicher, weniger begangen, fast ein wenig wild. Das letzte Waldstück – und ein krönender Abschluss Bald erreichen wir das letzte Waldstück. Die Geräusche des Waldes begleiten uns, das Licht wird weicher.
Nach knapp einer Stunde schließt sich der Kreis: Wir stehen wieder bei der Vellauer Kirche und beim Gasthaus Oberlechner. Ein krönender Abschluss dieser anspruchsvollen Tour. Vielleicht noch ein letzte Pause – ein Glas Wein oder eine Marende mit Blick ins Tal. Von hier geht es entweder zurück mit dem Sessellift oder bequem mit dem Bus talwärts.
Abendlicher Ausklang. Zurück in der Ferienwohnung klingt dieser Wandertag genau so aus, wie er es verdient hat: entspannt, zufrieden und mit einem Hauch von Südtiroler Lebensgefühl. Auf dem Balkon, ein Glas Wein aus dem hauseigenen Keller in der Hand, lassen wir die Eindrücke noch einmal Revue passieren. Ein kleines Würfelspiel auf dem Tisch, leises Lachen, darüber der klare Sternenhimmel. Die nächtliche Südtiroler Bergwelt liegt vor uns – ein Moment voller Ruhe und Dankbarkeit. So fühlt sich ein perfekter Wandertag an.
Unser Fazit
Diese Tour ist jede Anstrengung wert. Der Hans-Frieden-Weg begeistert mit spektakulären Tiefblicken, die Leiteralm mit Südtiroler Gastfreundschaft und der Meraner Höhenweg mit alpiner Schönheit. Für geherprobte, trittsichere und schwindelfreie Wanderer ist diese Runde ein echtes Highlight – eine Kombination aus Naturerlebnis, Panorama und Genussmomenten. Ein Tag, der bleibt.
04:00 h | 8,24 km | 580 hm
Mittelschwierig, aber lohnend – für trittsichere und schwindelfreie Wanderer.
Praktische Informationen
Anstieg Leiteralm: ca. 2 Stunden
Etappe Meraner Höhenweg: ca. 1 Stunde
Abstieg von Hochmuth nach Vellau: ca. 1 Stunde
Einkehrmöglichkeiten: reichlich vorhanden
Buslinie: 235 nach Vellau
Foto: IDM Südtirol-Alto Adige/Alex Filz, IDM Südtirol-Alto Adige/Damian Pertoll
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